There was a wall. (S. 5)

Der erste Satz im Buch lautet: There was a wall. Eine Mauer umgibt den Raumhafen von Abbenay, den einzigen Raumhafen auf Anarres. Sie sei keine imposante Erscheinung, sondern leicht zu überwinden, aber die Idee, die sie verkörpere sei echt. Und mächtig.

„No Nation! No Border! Fight law and order!“ Ist ein Spruch, der oft auf Demonstrationen zu hören ist und sicherlich auch von Anhänger_innen Odos skandiert wurde. Anarres scheint die Realisierung dieses Spruches, eine Welt ohne Gesetze, Polizei, Nationen oder Grenzen. Bis auf eine: Die Mauer um den Raumhafen auf Abbenay.

Nicht diese Mauer trennt Anarres vom Rest des Kosmos und andersrum, das könnte sie gar nicht, da sie bloß einen Meter hoch ist, sondern sie ist Ausdruck des tiefen Grabens, der sich zwischen den Anarresti und den anderen Menschen befindet. Eine Grenze im Kopf. Die sich selbstverständlich durch alle Köpfe auf Urras und Terra, den kapitalistischen, wenn nicht sogar faschistischen Welten, zieht, aber auch durch die Köpfe der selbsterklärten Anarchist_innen.

Diese Mauer, ist das zentrale Moment des Buches. Wenn sich also eine fragt: „Worum geht es eigentlich in The Dispossessed?“ Dann ist die Antwort: (mehr…)

Rationing was strict. (S. 205)

Die Gesellschaft von Anarres lebt knapp am Existenzminimum, aber alle erhalten pro Tag zwei Mahlzeiten, ohne dafür zu zahlen oder zu arbeiten. Gleiches gilt für Wohnraum, Kleidung, … mehr oder weniger alles.

Anarchismus: Alles für Alle und zwar umsonst!
Das klingt paradiesisch, taugt als Parole aber nur in Zeiten des Luxus und des künstlichen Mangels. Aber was ist wenn Alles nicht genug für alle ist? Wenn es am nötigsten fehlt, wenn Hunger herrscht?

Während einer Dürre ist die 20-Millionen-Bevölkerung von Anarres bedroht. Wie gehen die Anarchist_innen mit dem Mangel um?
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What dirty work? (S. 124)

Anarres. Planet der Anarchist_innen. Alle tun was sie wollen, es gibt keine Gesetze, keine Polizei, in der Schule wird niemand bestraft, und so weiter.
Aber eine zentrale Frage, die sich auch in vielen WGs und Hausprojekten stellt: Wer macht die Drecksarbeit?
Was sich im Wohnungsrahmen auf Putzen, Spülen, Saugen, Haare aus der Dusche nehmen beschränkt, das sind auf größerer Ebene Dinge wie Müllabfuhr, Kanalreinigung, Straßen fegen, im Winter streuen, aber noch viel mehr.
Jobs, die keine erledigen will, aber doch alle in Anspruch nehmen. Also, wie gehen sie auf Anarres damit um? Was können wir aus dem Roman lernen?

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They‘re not for general consumption. (S.89)

(Ich werde nicht chronologisch bloggen, da ich die ersten 90 Seiten schon hinter mir habe. Werde aber auf diese zurückkommen. Ich hoffe, dass die Einträge trotzdem verständlich sind.)

Im aktuellen Kapitel, eine Rückblende, erleben wir, wie Shevek nach Abbenay (wichtige Stadt auf Anarres) in das physikalische Institut kommt. Hier lernt er den Wissenschaftler Sabul kennen, und mit diesem einige Konzepte, die ihm bisher völlig fremd waren: z.B. Eigentum und Einsamkeit. (mehr…)

You have your anarchist. (S. 24)

Vor wenigen Tagen habe ich damit begonnen „The Dispossessed“ von Ursula K. LeGuin zu lesen. Der Roman erschien erstmal 1974, liegt mir aber in der Version von 2002 vor, Taschenbuch, SF Masterworks, Gollancz, Orion Publishing Group.
Dieses Blog werde ich zum Einen als Lesetagebuch, zum Anderen zum Ausbreiten der im Buch präsentierten und problematisierten Themen, wie Anarchismus oder Feminismus.

So, worum gehts in dem Roman?

Ort der Handlung sind die beiden Planeten Urras und Anarres. Der erste ist mit unserem Planeten vergleichbar, voller Wasser und Vegitation. Der andere ist ein Wüstenplanet auf den vor gut 150 Jahren Anarchist_innen ausgewandert sind. Die Regierungen von Urras hatten dies angeboten, um weiteres Blutvergießen und den Erfolg einer anarchistischen Revolution zu vermeiden.

Die Handlung selbst besteht daraus, dass der Physiker Shevek als erster(!) Anarres verlässt, um nach Urras zu gehen. Warum er das genau tut, ist noch unklar, ich vermute, weil er mit seiner Forschung nicht weiter kam.
Der Roman ist nicht chronologisch, sondern besteht zu großen Teilen aus Rückblenden in Sheveks Leben, die den Aufbau der Gesellschaft auf Anarres deutlicher machen.

Zur Zitierweise:

Alle Zitate sind, wenn nicht anders gekennzeichnet, aus LeGuin, The Dispossessed 2002: Gollancz, London und beinhalten die Seitenangabe.

Los geht’s!